|
|
www.depechemode.com
Wie geht das Abmischen der Songs voran?
Martin: sehr gut. Wir arbeiten mit jemanden zusammen, den wir noch gar nicht kennen. Er heisst Steve Fitzmorris und er macht das sehr schnell. Wir müssen jetzt schon versuchen ihn einzuholen. Wir müssen den Rest der Songs in Form bringen, weil wir schon fertig mit den anderen Songs sind, die fertig waren und nun müssen wir den Rest der Materials fertig machen damit man das abmischen kann. Wir sind nicht so schnell wie er. Er ist superschnell.
Ihr arbeitet mit jemanden zusammen, mit dem ihr zuvor noch nie gearbeitet habt?
Martin:
Er
ist einfach großartig. Wie ich schon sagte, wir haben noch nie
mit
ihm zusammengearbeitet,mit jemanden der so schnell ist. Aus seiner
Sicht,
ist er schon schneller fertig, als es planmäßig vorgesehen
war.
Und weil wir nicht so schnell wie er sind, werden wir vor Weihnachten
auch
nicht damit fertig sein, wie wir es ursprünglich vorhatten.
Wahrscheinlich
geht
das
noch 1 oder 2 Wochen ins neue Jahr hinein,die war auch schon geplant
haben.
Wir wußten, das war eine Möglichkeit. Aber wenn wir 2 Wochen
über unseren Zeitplan liegen ist das nichts für uns.
Wie würdest du diese neue Songs mit den bisherigen Alben vergleichen? War es diesmal leichter für Dich?
Martin:
Nach dem Lauf der Dinge, verläuft alles normal, aber ich
mußte
schon letztes Jahr kämpfen als ich mit dem Songschreiben wieder
anfing.Ich
sollte im Januar oder Februar anfangen. Und als es dann schon Oktober
war,
hatte ich noch nichts getan. Ich hab deswegen schon Panik bekommen.
Deshalb
entschloß ich mich, das ich etwas Beistand von Freunden
brauchte
während dieser Zeit.
Dann
kam Gareth Jones und Paul Freegard ins Spiel. Von diesem Zeitpunkt an,
war es viel leichter für mich, weil ich wußte, das sie da
auf
mich warten und mit Ideen ankommen. Als sie im Studio saßen, gab
es einige Songs,die darauf warteten gemacht zu werden. Und manchmal
sagte
ich: "Okay, gebt mir einige Stunden ,dann gehe ich rüber in mein
Haus
mit meiner Gitarre und ich komme später mit einer Idee wieder und
einer Grundidee von Melodie. So legte ich mich fest, wie ich es zuvor
noch
nie getan hatte. Ich denke manchmal braucht man diese Art Druck von
Außen.
In all diesen Monaten saß ich nur zu Hause und tat nichts.
Hätte
ich diese Art von Druck gehabt, und mit dem Wissen das da jemand
auf mich wartet, und verzweifelt, weil er nichts zu tun bekommt,
hätte
ich das bestimmt schon vorher so gemacht.
Aus der Sicht eines Songschreibers wie wirkt sich dieser Druck auf die Songs aus, wenn die Plattenfirma neue Songs will und die Fans unruhig auf neue Songs warten?
Martin:
Das hat alles nicht funktioniert. Ich stand 6 oder sogar 7 Monate unter
so einem Druck und ich versuchte alleine zuhause verzweifelt was zu
schreiben.
Ich wußte die Band brauchte neue Songs. Ich wußte die
Plattenfirma
wollte neues Material, das sie veröffentlichen wollte. Ich
wußte
dort draußen in der Welt warten Millionen von Fans auf neue Songs
aber das hat mich nicht angespornt. Ich konnte mich nicht einfach
hinsetzten
und mich selbst zwingen was zu schreiben. Es ist nur so, wenn da
jemand rein
physisch
auf mich im Studio wartet, um zu arbeiten, und dann hat mich dieser
Druck
eingeholt. Es war ein netter Zustand. Ein wichtiger Punkt dabei war
die
Freundschaft- wir hatten eine sehr schöne Atmosphäre
während
des Arbeitens.
Wenn
du einen Song schreibst, nehme ich an, dass es leichter für Dich
ist,
wenn du dir die Zeit alleine nimmst, als wenn jemand zu Dir sagt: los
schreib
jetzt einen Song oder?
Martin:
Ich
schreibe nie so. Ich phantasiere nicht, wenn ich etwas Interessantes
sehe,
denke ich nicht, ich muss jetzt was schreiben.Ich hole
das
einfach unbewußt aus mir heraus. Sie sind oft die erste
Perspektive
einer Person und sie werden aus einigen Tiefen herausgenommen. Und ich
weiß manchmal nicht, wo sie herkommen. Ich hab schon immer
gesagt,
das dies ein sehr verrückter Vorgang ist.
Gibt es irgendeine Art von Musik,die du dir kürzlich angehört hast und die das neue Album irgendwie beeinflußte?
Martin:
Man
kann nicht sagen, das wir total von etwas inspiriert wurden, dass uns
vorschrieb,
einen bestimmten Weg einzuschlagen. Als wir mit der Platte anfingen,
sandte
uns Daniel Miller seine Radiosendungen zu. Ihr spielt dort sehr
abgefahrenes
Zeugs, dass ich Clicks (klicke) und Cuts
(Ausschnitte)
nenne. Es ist nur avantgardistische elektronische Musik. Es ist
wie
Punk Ethic (Martin lacht) für mich, weil offensichtlich niemand
mehr
viele Platten verkaufen möchte und mir gefällt diese Ethic
sehr.
Heutzutage gehen die sogenannten Indiebands so mit der Voraussetzung
heran,
dass sie die grösste Band der Welt seien wollen. Früher war
das
nicht so. Ich mag wirklich den Sound einiger Platten, weil die Leute
mit
einer Idee anfangen, und sie sind glücklich damit,wenn sie 10
Platten
davon verkaufen.
Den
Remix,den du für "soluble words" 1999 gemacht hast...wie
reflektiert
sich dieser besondere Sound, wenn überhaupt, mit dem neuen Album?
Martin:
Nicht
wirklich, nein. Das war das erste, dass ich mit Gareth Jones und Paul
Freegard
gemacht hatte. Es war entweder das oder wir hätten
irgendein
Instumental vorher gemacht, bevor wir das Albummaterial
durchsahen.
Aber
nein, es war etwas, worum ich gebeten wurde. Das Ken Andrews/ On Thing-
Ich mag diesen Song sehr. Es gibt nicht viele Songs,die mir
entgegenkommen
und mir gefallen und mit denen ich weiter arbeiten möchte und
dieser
war nun mal was ganz besonderes. Es klang so, wie wir es wollten zu
diesem
Zeitpunkt. Es hat keinen Einfluss auf das neue Album.
Wie klingen deine Demos, die du zu Hause machst, verglichen mit denen im Studio?
Martin:
Dieses
Mal sind die Songs tatsächlich mehr bearbeitet worden, weil ich
mit
Gareth (dem Toningenieur) und Paul (der Keyboard Programmierer)
zusammen
arbeitete, als sie ins Studio kamen. Aber wenn ich das hier so sage,
einige
Songs haben sich ziemlich drastisch verändert, weil wir mit Mark
Bell
zur Zeit arbeiten. Ich finde er ist einer der besten Produzenten dieser
Welt und sein Zutun zu dieser Platte ist einfach fantastisch. Er
macht nichts im konventionellem Sinne. Seine ganze Art ist einfach
anders.
Seine
Ideen waren nie einfallslos.
Wie viele Songs singst du auf dem neuen Album?
Martin:
Im
Moment zwei. Es muss noch ein Gesangsteil einsingen und das macht
Dave bzw. er soll es machen. Ich denke Dave wird es singen. Wir haben
noch
noch 2 Wochen vom jetzigen Zeitpunkt an. Wir können den Gesang
nicht
erst im Januar machen und Dave muss noch eine B-Seite singen. Und ich
bin
immer vorsichtig mit dem was ich sage, dass es 2 sein
könnten.
Es könnte
sich
noch ändern. Der Song ist definitiv für Dave geschrieben.
Auf den letzten Alben (inklusive dem neuem) waren Gastmusiker dabei. Was fühlst du dabei und was soll es dem Album bringen und wie werden diese Gastmusiker ausgesucht?
Martin:
Es
sind gewöhnlich Leute, die wir mögen und mit denen wir
Interesse hatten, zu arbeiten. Aber dieses Mal ist es jemand, der ganz
anders ist. Es ist wie ein Zufall. Als wir dieses Mal in Santa Barbara
aufnahmen, versuchten wir eine Schlagzeug Loop noch rechtzeitig
einzuspielen,
und das war sehr schwer, weil es ein 4/4 Schlagzeug Loop über
einen
3 Viertel Takt war. Dieser Schlagzeuger kam gerade ins Büro und
Jonathan
unser Manager war gerade anwesend und sagte: "oh, du bist ein
Schlagzeuger.
Vielleicht könntest du mal reinkommen und mit der Schlagzeug Loop
helfen...damit die rechtzeitig fertig wird."
Also
kam er dann rein und stellte sich vor. Ich bin Schlagzeuger und mein
Name
ist Airto. Wenn ihr mich jemals brauchen solltet, ruft mich an.
Wir
haben uns dann über ihn erkundigt, und er ist einer der besten
Schlagzeuger
dieser Welt. Offensichtlich kann er einen Monat lang bei Ron Scotts in
London arbeiten.(lacht)
Wir
wollten nicht unbedingt mit ihm arbeiten, aber es hat sich so ergeben.
Wieder einmal ein netter Zufall, den das Leben mit sich bringt.
Wie arbeitet es sich mit Mark Bell? Wie kannst Du ihn mit den anderen Produzenten vergleichen?
Er
hat immer die völlige Kontrolle über alles als mit all den
anderen
Leuten, mit denen wir früher zusammenarbeiteten. Tim Simeon war
ein
Mann mit Konzept, er hatte das Team um sich. Er sagte ich will das so
oder
ich will es da so haben und dann lag es an dem Team, etwas
daraus
was zu machen.
Mark
hingegen, jeden Klang, den er sich im Kopf vorstellen kann, kann er in
5 Minuten produzieren.
Er ist eigentlich einer der Leute, die ich hasse. Wenn ich am Keyboard sitze, kommt da nie das raus was ich will.
Martin: So ist das bei mir auch. (lacht)
In den Videoclips und Fotos auf der Webseite, kann man dich an einem Roland JD 800, einem Technics 1200 Turntable und mit anderer Ausrüstung herummurksen sehen. Wieviel Kontrolle hast du auf dem neuen Album?
Martin:
Zu
anfangs hab ich die meiste Kontrolle. Wie ich sagte, sind die Demos
jetzt
weit mehr geschliffen, als wenn sie tatsächlich im Studio
ankommen,
deshalb werden offensichtlich noch einige dieser Bruchteile noch
verwendet. Selbst dann,als wenn es vorher schon produziert wurde, ehe
es
Mark gehört hat. Abgesehen davon, kann Mark gut mit Klängen
umgehen,
deshalb bleib ich dann meistens im Hintergrund und sage ihm was mir
paßt
oder nicht.
Ich
finde so ist es am besten und sag ich hab es mit Tim Simeon auch so
gehalten.
Ich und Tim reden über die Songs und geben die Ideen an das
Team weiter, aber diesmal kann ich Mark alleine lassen. Ich kann ihm
sagen
mir gefällt das , das gefällt mir nicht, ich finde das gut
wegen
dem und
dem...oder
das funktioniert nicht, es paßt nicht zu dem Song...so arbeiten
wir.
Neben der Analog gear, mit welchen anderen Arten von Sounds können wir auf dem neuen Album rechnen?
Martin:
Wie
ich schon sagte, ist Airto der Schlagzeuger dabei. Wir haben echtes
Schlagzeug
diesmal dabei - zwar nicht viel, aber wir haben auch
Christian,
der Schlagzeuger auf unseren letzten Tournee,um Schlagzeug
einzuspielen.
Auch Gitarre ist dabei und Knox Chandler hat auch einiges in einem der
Songs beigetragen, und ein Streichquartett ist auch dabei auf einem der
Songs.
Als
Schreiber der Songs, wie schwer ist für dich manchmal
mitanzusehen,
wie manche Remixer deine Arbeit quasi auseinanderreißen?
Gehört
dies dazu oder ist es nur ein lästiges Übel der
Plattenindustrie?
Martin: Das kann so oder so sein. Wir wählen normalerweise Leute aus, vor denen wir Achtung haben.
Zu
50% ist man angenehm überrascht was sie mit den Tracks machten,
aber
zu 50% denkst du auch, welchen Pfad schlagen die
diesmal
ein?
Es
funktioniert überhaupt nicht. Es ist ein interessanter Vorgang.
Ich
hasse dies nicht, aber bei den Sachen, die wir rausbringen, ist das
immer
sehr interessant. Manche lehne ich auch ab, und niemand auf der Welt
wird
sie jemals zu hören bekommen.
Mir kommt da gerade der BT MIX von It is no good in den Sinn !
Martin: Nun, und es gibt auch noch andere. Über die Jahre haben sich einige angesammelt, die nie das Licht des Tages erblickten.
Ich hab auch den Remix von Coil für RUSH gehört und es klingt als hätten sie die Master persönlich es gemixt.
Martin: Coil hat einen gemacht. Wurde dieser jemals veröffentlicht?
Nein, niemals.
Martin: Das war bestimmt so einer, der in die dunkle Schublade gelandet ist.
Ich kann jetzt verstehen warum.(lacht)
Martin: lacht
Wie werdet ihr das neue Material live umsetzen?
Martin:
Dieses Mal wird es sehr gut live passen. Wir werden höchstens 5
oder
6 neue Songs vom neuen Album spielen.
Zu
viele vom neuen Album wären irgendwie nicht passend. Ich bin mir
sicher
diese 5 oder 6 Songs passen besser live und ich bin mir sicher,
es
wird toll werden.
Habt ihr euch schon Gedanken über die nächste Tour gemacht, wie das mit der Länge der Tournee, Gastmusiker etc aussieht?
Martin: Wahrscheinlich nehmen wir dieselben Musiker wie letztes Mal, weil wir gut miteinander ausgekommen sind und zwar so gut, dass wir sie nicht wieder ablehen können (lacht). Die Grösse der Tournee, so viel ich zum heutigen Zeitpunkt sagen kann, wird circa 5 Monate dauern.
Als ich mit Andy gesprochen habe, erwähnte er die Sache mit den Familien, Euren Kindern und sowas und dass es schwer sein wird, sich da freizumachen für die Tournee.
Martin: Genau und deshalb haben wir das letztes Mal getestet, weil wir es lange nicht mehr gemacht haben. Es war sehr komisch für uns. Wir haben 4 Monate durchgehalten, deshalb denke ich, wir können diesmal auch noch einen Monat dranhängen. Aber ich möchte nicht noch mehr machen, weil es sonst wieder in gefährliche Gewässern enden würde.
Auf
der World Violation Tournee, habt ihr zwischendrin auch eine
Akoustiksachen
gespielt. Unter Sammlern hat dies einen enormen Stellenwert,
solche
Aufnahmen zu finden. Wird es sowas wieder geben?
Martin:
Wir
haben noch nicht die Songreihenfolge besprochen. Das werden wir im
Januar
machen müssen. Diesmal wollen wir uns rechtzeitig
entscheiden,
weil es eine Frage des Umsetzung der Songs live ist. Man kann hier in
England
noch viel tun, bevor dieser bestimmte Kerl diese Songs in Amerika
bearbeitet.
Deshalb müssen wir spätestens im Januar das alles
wissen.
Bis jetzt haben wir als Band noch nichts diskutiert, deshalb weiß
ich es noch nicht wirklich.
Wie
wird die neue Musik von Depeche Mode ins Radio passen?
Hast
du da irgendwelche Bedenken?
Martin: Ich glaube es wird überhaupt nicht hineinpassen, aber muss ich Bedenken haben? Nein, überhaupt nicht, seien wir mal ehrlich, wir haben doch noch nie ins Radio gepaßt.
Tolle Antwort! (lacht)
Martin: lacht.
Eure
offizielle Webpage kam auf 19.ter Stelle einer Internet Wahl und wurde
von über 75 000 Fans auf dotmusic.com gewählt. Bist du von
dieser
Art
Unterstüzung
der Fans überrascht ? Was hält die Band nach 2
Jahrzenten
noch so zusammen?
Martin:
Früher haben mich die Fans überrascht, weil sie immer so
massiv
waren und ich weiß, dass wir solch fantastische Fans haben. Es
ist
an einem Punkt angelangt, wo mich nichts mehr überrascht. Du
weißt
ja sie sind auf
ihre
Weise verrückt- aber im positiven Sinne.
Im Internet kursieren viele unbekannte DM Songs und einige sind Deine Demoaufnahmen. Aus der Sicht des Songschreibers wie denkst du darüber, dass diese im Internet so umherschwirren?
Martin: Es stört mich nicht, aber das lustige ist, das die Hälfte der Songs die meine Demos sein sollen, gar nicht meine sind. Jemand erzählte mir, er hätte 74 Minuten heruntergeladen und er würde mir eine Kopie davon machen. Ich sagte ihm ich wäre sehr daran interessiert, nur um zu sehen wie sie sind. 3 oder 4 Tracks waren sehr erstaunlich, weil es Demos waren, die ich total vergessen hatte und von denen ich selber gar keine Kopien besitze. Der Rest war von Bands,die uns nachahmen und solche Sachen, aber es gibt Leute,die dazu tendieren und glauben, dass wir es wären. Alles was du tun kannst, sei im Internet und es ist Depeche Mode und die Leute glauben das. Es gibt ja etwas neues: Sweetest Condition.
Ja ich habs gehört. Es ist schmerzhaft.
Martin:
Ich
finde es sehr lustig. Sie nennen es Sweetest Con. Sie sind sehr
ehrlich.
Nur nicht jeder kapiert das. (lacht). Wir sind es nicht.
Anmerkung
: con bedeutet auch Schwindel ;-)
Ende!
Angela Pilidis for Ultracompany 21.Dezember 2000