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Depeche-Mode-Partys melden wachsenden Publikumszuspruch
    Von Roland Winter, dpa

Köln (dpa/lnw) - Aus den Boxen dröhnt harter elektronischer Beat,  und auf der Tanzfläche drängen sich lauter dunkle Gestalten. Schwarz ist offensichtlich Pflichtfarbe in der Kölner «Live Music Hall», denn hier wird eine der vielen Depeche-Mode-Partys gefeiert. Immer häufiger treffen sich junge Menschen zu den Klängen der britischen Synthie-Pop-Band, die schon eine Weile nichts mehr von sich hat hören lassen und doch beliebt ist wie eh und je. «Die Leute verhalten sich auf unseren Partys wie bei einem Depeche-Mode-Konzert: Die singen und klatschen alle mit.»

Elvis Rashidimit seinem PartnerSascha Israelorganisieren seit sechs Jahren Depeche-Mode-Partys,seit fast zwei   Jahren in der «Live Music Hall». Dort sieht Rashidi selten bunt angezogene Leute, und viele stylen sich wie     Depeche-Mode-Sänger Dave Gahan: «Die meisten kommen ganz in Schwarz gekleidet, einige
sogar in Lack und Leder.» Das «Dave-Dancing», also das Nachahmen der ruckartigen Bühnenbewegungen des Sängers, gehört zum festen Programm, während Ähnlichkeits-Wettbewerbe zunehmend aus der Mode kommen. Als
die «Live Music Hall» vor zwei Jahren zum ersten Mal für eine  Depeche-Mode-Party mit Elvis Rashidi an einen fremden Veranstalter vermietet wurde, war Hallensprecher Robert Kril zunächst skeptisch,
ist aber mittlerweile vom Konzept überzeugt: «Zu unserer monatlichen  Depeche-Mode-Party kommen nach kleineren Anlaufschwierigkeiten inzwischen im Schnitt 700 Besucher. Das ist beachtlich.»

Rashidi, der auf seinen Partys auch als DJ fungiert, kann denErfolg der Veranstaltung nicht recht erklären: «Irgendwie hat es geklappt.» In der Vergangenheit hat Rashidi bereits versucht, ähnliche Party-Konzepte um Bands wie U 2, die Pet Shop Boys oder Erasure im Köln-Bonner Raum zu etablieren. Doch lediglich mit Depeche Mode war er erfolgreich. Mehr als 20 Depeche-Mode-Parties deutschlandweit, viele davon in Nordrhein-Westfalen, verzeichnet eine  der umfangreichsten deutschsprachigen Fan-Sites im Internet allein für die zweite Oktoberhälfte.
Sven Plaggemeier hat die Website «www.depechemode.de» 1997 eingerichtet. «Als ich Anfang 1997 meine Fan-Site einrichtete, waren es noch wesentlich weniger Termine», berichtet er.

 Den von Veranstaltern vermeldeten wachsenden Publikumszuspruch erklärt Anne Berning, Labelmanagerin der deutschen Dependance der britischen Plattenfirma Mute, bei der Depeche Mode seit 1981 ununterbrochen unter Vertrag sind, mit der derzeitigen öffentlichen Abwesenheit der Band: «Die Fans kompensieren mit diesen Partys die Tatsache, dass Depeche Mode im Moment weder eine neue Platte veröffentlichen noch auf Tour sind.» Berning verweist auf die große Fangemeinde: «Wir schätzen, dass der harte Kern der eingeschworenen Depeche Mode-Fans in Deutschland ungefähr aus 20 000 Leuten besteht.  Und die finden sich unter anderem auf solchenPartys ein.»

Simone Wien, die Dave Gahan, Martin Gore und Andy Fletcher als Fan  schon einmal zu Konzerten bis nach Spanien folgte, bestätigt dies:  «Die Fangemeinde ist wohl die treueste und ausgeprägteste, die eine Band derzeit in Deutschland besitzt.» Obwohl die 1995 zum Trio geschrumpften Depeche Mode seit 15 Jahren in Deutschland berühmt
seien, kämen immer noch neue Fans hinzu, während die alte Anhängerschaft meist dabei bleibe.
 

«Nach dem Ende einer Tour sind die Fans erst einmal für eine Weile glücklich, aber dann fällt das Warten auf das nächste Album oder das nächste Konzert bald wieder schwer, und die Partys füllen sich sozusagen als öberbrückung erneut.»

  Obwohl die Plattenfirma Mute engen Kontakt zu Depeche-Mode-Fans wie Simone Wien oder Sven Plaggemeier sowie Partyveranstaltern hält, hat auch die Labelmanagerin Anne Berning keinen kompletten öberblick mehr über die Szene. Mute unterstütze jedoch ohnehin nur ausgewählte Organisatoren ideell und materiell, und zwar solche, die sich «überJahre unser Vertrauen erworben haben». Dazu zählten etwa Elvis Rashidi oder die Veranstalter der halbjährlich stattfindenden «Party For The Masses» in der Hamburger Markthalle, dem größten regelmäßigen Zusammentreffen von Depeche-Mode-Fans. Das besuchten Ende September erneut mehr als 2 000 Menschen. «Auf Veranstalter, die lediglich eine Marktlücke entdeckt haben, sind wir nicht gut zu sprechen», sagt Berning.

dpa/lnw hof yy bi